Der SC Turbine Erfurt hatte es offenkundig versäumt, die Meister-Mannschaft von 1954/1955 leistungsstark zu erneuern. Aus dem eigenen Nachwuchs rückten nur die Spieler Harald Wehner und Günter Bach auf. Dazu kamen die Weggänge wichtiger Spieler zum SC Motor bzw. FC Carl Zeiss Jena wie 1962 Heinz Hergert, 1963 Erwin Seifert, 1965 Rainer Knobloch und1966 Udo Preuße. Seit 1964 wurden keine Erfurter mehr in die Auswahlmannschaften der DDR berufen. Im Gegensatz etwa zu Jena mit dem finanzstarken Zeiss-Kombinat war die materielle Basis aufgrund der geringen Größe des Trägerbetriebs VEB Reparaturwerk Clara Zetkin (RWCZ) begrenzt. Für einige Jahre musste sich Turbine sogar mit der stark geförderten SG Dynamo Erfurt um die besten Nachwuchsspieler auseinandersetzen. Dynamo lockte, obwohl nur Zweit- bzw. Drittligist, nicht nur Helmut Nordhaus als Trainer an, sondern mit Neubauwohnungen am Johannesplatz auch einige gute Spieler.

Auch auf dem Turbine-Trainerstuhl kehrte keine Kontinuität ein. Durchschnittlich alle drei bis vier Jahre wurde ein neuer Trainer eingesetzt: Hans Rüger (1957–1960), Wolfgang Seifert (1960–1964), Helmut Nordhaus (1964–1966) und dann unter dem Namen Rot-Weiß Martin Schwendler (1966–1970). Sie alle konnten den sportlichen Abstieg nicht aufhalten. Nach dem ersten Abstieg 1959 kehrte man nach einer Ligasaison postwendend zurück. Nach den Plätzen 10 und 8 ging es 1964 erneut ins Unterhaus und wieder zurück. Am 26. Januar 1966 wurde ein zentraler Beschluss des DTSB durchgesetzt und auch in Erfurtein Fußballclub durch die Ausgliederung aus dem SC Turbine gegründet. Aber auch als frisch gebackener FC Rot-Weiß Erfurt wiederholte sich das gleiche Spiel 1966 – Erfurt war zur klassischen Fahrstuhlmannschaft geworden.

Verbunden mit der FC RWE-Gründung war der Einstieg des VEB Optima alsTrägerbetrieb. Dadurch verbesserten sich die Rahmenbedingungen fürden FC RWE, der sich aus den Fußballsektionen des SC Turbine Erfurt und der BSG Motor Optima gebildethatte. Auch dank verstärkter Hilfe aus Parteikreisen konnte man sich wiedermit besseren Spielern verstärken. Zu nennen sind etwa der 1965 zum Fußballer des Jahres gewählte ehemalige Nationaltorwart Horst Weigang und Rainer Trölitzsch von Lok Leipzig. Dazu kamen Siegfried Nathow, GünterWolff und Gerd Stieler sowie die aus Jena zurückgekehrten Erwin Seifert und Rainer Knobloch.

Nach dem Wiederaufstieg 1967 erreichte der FC Rot-Weiß Erfurt die Plätze 9, 8 und 9. Die Mannschaftkonnte die Erwartungen eines oberenTabellenplatzes weiter nicht erfüllen, stattdessen war Mittelmaß angesagt. Zur Saison 1970/71 erließ zudem der DFV einen Beschluss, der den großen Einfluss der Trägerbetriebe mit ihren Anreizen für die Spieler brechen sollte. Die FC-Spieler verdienten nur noch relativ wenig und besonders in Erfurt wurde dies streng umgesetzt. Dies führte neben altersbedingtem Ausscheiden zum Abgang einiger Leistungsträger, wie Rudi Dittrich, Harald Wehner, Erwin Seifert, Rainer Trölitzsch und Dieter Weiß sowie von Trainer Schwendler. Bei den großen Betriebssportgemeinschaften des Bezirks Erfurt, wie der BSG Motor Eisenach und BSG Motor Sömmerda, war selbst in der Liga oder Bezirksliga mehr Geld im Spiel.

Anfang der 1970er-Jahre kam es so erneut zu einem Umbruch in der Mannschaft, weil es unattraktiv geworden war, nach Erfurt zu wechseln.Stattdessen wurden junge, talentierte Spieler – oftmals aus dem eigenen Nachwuchs – wie beispielsweise Rüdiger Schnuphase, Wilhelm Laslop, Albert Krebs, Wolfgang Benkert oder Reinhard Häfner in die Mannschaft eingebaut. Der Substanzverlust war allerdings so einschneidend, dass 1970/71 der vierte Abstieg aus der Oberliga folgte – und auch diesmal mit sofortigem Wiederaufstieg. Auch jetzt kam es zu keiner durchgreifenden Verbesserung, zumal die Abgänge großer Spielerpersönlichkeiten, wie Reinhard Häfner zu Dynamo Dresden (1971) sowie Rüdiger Schnuphase und Lutz Lindemann zu Carl Zeiss Jena (1976/77) große Lückenrissen. Das ist das Fundament der besonderen Ablehnung des FCC bei den Erfurter Fans bis heute. Gute Nachwuchsspieler des Bezirks, wie Stefan Meixner, Fred Steinborn oder Stefan Böger, wurden ebenfalls nach Jena delegiert. Andererseits konnte man einige junge talentierte Spieler der Region an den Club binden, die sich im kommenden Jahrzehnt einen Namen machen sollten. Nach dem letzten Wiederaufstieg 1972 ging es mit den Leistungen in der Oberliga hoch und runter. Dreimal landete man als Tabellenzwölfter auf dem letzten Nichtabstiegsplatz (1973/74/80), zweimal auf Rang neun (1975/78), aber auch auf den beachtlichen Rängensechs (1977) und sieben (1976/79).

Die Saison 1979/80 schließlich warf trotz des schwachen Abschneidensin der Oberliga ein Schlaglicht auf bessere Zeiten voraus. Nach 1950 zog die Mannschaft zum zweiten Mal nach Siegen bei der BSG Fortschritt Weißenfels (6:2), gegen den FC Karl-Marx-Stadt (3:1), die BSG Stahl Riesa (2:0) und den 1. FC Lokomotive Leipzig (4:2 n.V.) ins Finale des FDGB-Pokals ein. Am 17. Mai 1980 traf man im Berliner Stadion der Weltjugend vor 45.000 Zuschauern auf den FC Carl Zeiss Jena. Gegen den favorisierten Uraltrivalen durfte RWE unter seinem Kapitän Dieter Göpel nach der 1:0-Führung durch Armin Romstedt (40.) bis in die Schlussphase vomPokalsieg träumen, musste sich dann aber in der Verlängerung mit 1:3 geschlagen geben.



Text: Dr. Steffen Raßloff und Dr. Michael Kummer
Fotos: Archive FC Rot-Weiß Erfurt, Olaf Schwertner, Kurt Gaida

erschienen auch im 1966er, dem Magazin über den FC Rot-Weiß Erfurt, Sonderausgabe anlässlich des 60. Geburtstags des FC Rot-Weiß Erfurt, hrsg. vom Fanrat Rot-Weiß Erfurt e.V.

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